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  01.12.2018 Neuer Informationsflyer von LNV und weiteren Verbänden  
 

Spurenstoffe in Gewässern haben auch in kleinsten Konzentrationen große Umweltwirkungen

Schmerzmittel, Hormone und Süßstoffe bilden problematischen Cocktail

In einer gemeinsamen Initiative haben der Dachverband Landesnaturschutzverband Baden- Württemberg (LNV) und seine Mitgliedsverbände Deutscher Alpenverein BW, Natur- Freunde BW, Landesfischereiverband, Landesjagdverband, Schwäbischer Albverein und Schwarzwaldverein den Informationsflyer „Spurenstoffe – Was sind Spurenstoffe? Und was geht mich das an?“ veröffentlicht. Sie setzen damit ein Zeichen gegen die chemische Belastung von Bächen, Flüssen und Seen. Der Flyer richtet sich besonders an Menschen, die gerne und oft Zeit in der Natur verbringen. Er gibt praktische Tipps, wie der Eintrag von Spurenstoffen in Natur und Umwelt vermieden werden kann.

Europaweit kommen täglich rund 70.000 Chemikalien zum Einsatz. Viele dieser Stoffe verbreiten sich als in kleinsten Mengen wirksame Spurenstoffe. Die Substanzen können sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit verstärken, Organismen wie Fische und Insekten schädigen und sich in Nahrungsketten anreichern.

„Zahlreiche Inhaltsstoffe unserer Alltagsprodukte können als Spurenstoffe im Gewässer nachgewiesen werden“, stellt der LNV-Vorsitzende Dr. Gerhard Bronner fest und nennt Haushaltschemikalien, Süßstoffe, Inhaltsstoffe von Medikamenten und Körperpflegemitteln, hormonell wirksame Substanzen sowie Pflanzenschutzmittel.

Vierte Reinigungsstufe hilft Spurenstoffe zu eliminieren

Die meisten Spurenstoffe gelangen über das Abwasser in die Kläranlagen und von dort in Bäche, Flüsse und Seen. „Herkömmlich ausgestattete Kläranlagen können bei weitem nicht alle Spurenstoffe eliminieren. Deswegen fordern wir einen Ausbau der größeren Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe“, unterstreicht Bronner. Damit könnten mehr als 80 % der Spurenstoffe wie Benzotriazol, Iomeprol, Carbamazepin und Diclofenac herausgefiltert werden.

Weitere Spurenstoffe gelangen auf diffusen Wegen in die Umwelt, etwa Pestizide aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, Einträge aus dem Straßenverkehr wie z. B. der Reifenabrieb oder Abwasser aus Regenüberläufen, das bei Starkregen ungeklärt in die Gewässer entlassen wird.

Jeder kann zur Verminderung des Eintrags von Spurenstoffen beitragen

„Um die Gewässer und die Natur zu entlasten ist es enorm wichtig, den Umwelteintrag solcher Stoffe zu vermeiden oder spürbar zu vermindern. Dazu kann jeder beitragen, etwa wenn er mit Medikamenten sorgfältig umgeht“, betont Bronner. Alle Arzneimittelrückstände, auch die flüssigen, gehören in Baden-Württemberg in den Restmüll. Nur die Landkreise Emmendingen und Ortenaukreis haben eine andere Regelung. „Auf keinen Fall dürfen Arzneimittelrückstände über den Abfluss entsorgt werden“, stellt Bronner klar.

Spurenstoffe haben negative Auswirkungen auf viele Organismen und das Ökosystem

Hormonell wirkende Stoffe wie Ethinylestradiol, ein Wirkstoff aus der Anti-Babypille, kommen über menschliche Ausscheidungen mit dem Abwasser in die Gewässer. Bei männlichen Forellen zum Beispiel können diese Stoffe zu zweigeschlechtlichen Tieren oder sogar zur Verweiblichung männlicher Fische führen. Untersuchungen an der Universität Tübingen zeigten auch, dass beispielsweise Diclofenac bei umweltrelevanten Konzentrationen lebensnotwendige Organe wie die Kiemen, die Nieren und die Leber von Fischen schädigt.

„Spurenstoffeinträge sind neben anderen Faktoren eine wichtige Ursache für den Artenrückgang in Gewässern“, stellt Bronner abschließend fest.

Flyer „Spurenstoffe – was sind Spurenstoffe? Und was geht mich das an?

Eine kleine Einführung besonders für Menschen, die sich oft und gerne in der Natur aufhalten“

Gedruckte Exemplare können beim LNV angefordert werden (gegen Versandkostenerstattung).