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  03.07.2018 Dem Wandel des Tourismus auf der Spur  
 

"wandern, erleben und verstehen", so lautet das Motto der Heimat und Wanderakademie des Schwarzwaldvereins.

Dem folgte eine kleine Schar der Ortsgruppe Öhningen-Höri bei einer Tour von Titisee über den Fürsatz zur Schildwende, einem der "Vier Thäler", so der alte Name der Gemeinde.

Gedränge und Trubel um die Andenkenläden auf der Uferstrasse und vor den Cafes und Traditionshotels am See – das gab es schon vor 50 Jahren. Damals reisten die Besucher aus der näheren Umgebung an, dazu Feriengäste aus Nordrhein-Westfalen oder den Niederlanden. Heute beleben Scharen asiatischer Bustouristen die Scene. 1868, also vor gerade mal 150 Jahren, wurde die erste Herberge am "düsternen Bergwasser" genehmigt und bald darauf ein Ausflugsboot zu Wasser gelassen. Kaum vorstellbar, wenn man heute durch den umtriebigen Ort bummelt!

Vom See aus ging die Wanderung über den Oberaltenweg hinauf zum Fürsatz, an typischen Schwarzwaldhöfen mit dem weit heruntergezogenen Walmdach und an grasenden Rindern vorbei. Beim Blick zurück kommt der Feldberg in Sicht, doch ebenso ziehen die Sprungschanzen von Hinterzarten das Interesse auf sich und bestimmen frisch gemähte Bahnen des Golfplatzes das Bild. Die Bauern scheinen mit der Verpachtung der Weiden auf den schattigeren Nordhängen ganz zufrieden, ist doch die Gründlandbewirtschaftung und die Viehhaltung bei den rauhen klimatischen Verhältnissen mühsam genug.

Pause im "Berghäusle", dem symphatischen Wanderheim der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Freiburg.

Weiter ging es durch die Schildwende hinunter ins Jostal. Die Zeit scheint stehengeblieben: hier reihen sich die Höfe am Talweg, so wie sie vor 750 Jahren angelegt wurden. Kaum etwas stört das romantische Bild. Der Hof, die Kapelle, die Mühle unten am Bach; bergwärts die sattgrünen Mähwiesen, dann die trockebraunen Weiden und darüber der Wald bis auf den nächsten Bergrücken.

Gibt es ihn noch, den Schwarzwaldbauern, der von der Milchwirtschaft und dem Wald lebt? Die meisten Familien sind auf ihrem Hofgut geblieben. Aber kaum einer der Hausgärten ist noch erhalten und die auf halber Höhe auf den Südhängen früher anngelegten Getreide- und Kartoffeläcker sind seit Jahrzehnten verschwunden. Ein Hof hat sich auf Pferdehaltung spezialisiert, ein anderer auf Muttertierhaltung. Die gute Straße und die Motorisierung erleichtern das Pendeln nach Neustadt, Titisee oder Freiburg. Und dann ist es auch hier im Tal der Tourismus, der Einkommen ermöglicht. Ferien auf dem Bauernhof, Wohnungen mit Geranienbalkon oder Zimmer mit der niederen Decke in jahrhunderte altem Holzwerk: das begeistert.

Das Rathaus am Ausgang des Jostals ist trotz Widerstands in den "Vier Tälern" längst in die rasch wachsende Siedlung am Titsee verlegt worden. Das heimliche Rathaus der Gemeinde, die mit Neustadt zusammengelegt wurde, ist aber wohl die Fremdenverkehrsverwaltung in Titisee.

Text und Fotos: Horst-Rainer Nies